Menschliche Alterung und Lebenserwartung

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Offplayvorwort: Es sei darauf hingewiesen, dass im Folgenden nur eine stark vereinfachte Betrachtung des Alterungsprozesses stattfindet, da das Thema äußerst umfangreich, komplex, umstritten und aus Sicht der heutigen Zeit leider noch nicht so gut verstanden ist. Ganz davon abgesehen, dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung den Rahmen des Wikis sprengen würde. Daher werden nur wenige sehr eindrucksvolle Faktoren aufgeführt, die als besonders wichtig und verstanden gelten, zudem als eine Art 'Eckpfeiler' dienen können, um die herum sich zahlreiche andere Prozesse aufbauen. Zudem wird gebeten zu bedenken, dass zwischen unserer heutigen Zeit und der Zeit, in der das RS spielt, rund 380 Jahre vergangen sind. Ausgehend von den bereits jetzt stattfindenden rapiden Fortschritten in der Forschung kann man davon ausgehen, dass im 24. Jahrhundert dieses Thema sehr gut verstanden ist und man die Alterungsprozesse gut beeinflussen kann. Dahinter steckt schließlich keine Magie, sondern nur Chemie und Physik.

Der menschliche Alterungsprozess und die daraus resultierende Lebenserwartung des menschlichen Organismus kann - wie bei allen humanoiden Spezies - nicht in Form einer einheitlichen Theorie erklärt werden, die alle Alterungsprozesse auf eine gemeinsame Ursache zurückführt. Stattdessen werden eine Vielzahl von Faktoren für die Alterung verantwortlich gemacht, wobei die relevantesten Faktoren heutzutage als gut verstanden gelten. Dazu zählen insbesondere die Lebensverhältnisse und Lebensweise des Menschen, progerische zellschädigende Prozesse, sowie genetische Faktoren und die medizinische Versorgung als solche. Man geht heute davon aus, dass es rein theoretisch kein von der Natur vordeterminiertes Höchstalter des Menschen gibt, sondern sein Leben bereits mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten nahezu unbegrenzt verlängert werden könnte, was allerdings nur Gegenstand der medizinischen Forschung ist und in der Praxis nicht angestrebt wird. Das beruht zum Einen auf der ablehnenden Haltung der meisten Menschen gegenüber medizinisch nicht notwendiger Augmentationen und zum Anderen auf einem medizinethischen Grundsatz in der Föderation, nach dem das Leben in seiner natürlichen Form erhalten werden soll, ohne dabei durch technologische oder genetische Augmentationen in dessen Evolution einzugreifen. Dennoch bietet die moderne Medizin ausreichende Interventionsmöglichkeiten, um ein ausgesprochen hohes Lebensalter zu ermöglichen, ohne dabei gegen diese beiden Kriterien zu verstoßen.



Lebensverhältnisse als Faktor

Bis ins 22. Jahrhundert der Erdgeschichte hinein waren insbesondere die Lebensverhältnisse der Menschen für deren Lebenserwartung entscheidend. Erst durch die Etablierung hoher Standards in den Bereichen Hygiene, Nahrungs- und Wasserversorgung, sowie der häuslichen Lebensbedingungen nahmen Infektionskrankheiten sowie Nahrungsmangel im 19. und 20. Jahrhundert an Bedeutung ab und erlaubten das Erreichen eines höheren Lebensalters, was wiederum zu einer Zunahme chronisch-degenerativer Zustände führte. Auch dank der sich weiterentwickelnden Medizin stieg die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert auf rund 80 Jahre, wobei man davon ausging, dass mit jedem weiteren Jahr die Lebenserwartung Neugeborener um 3 Monate steigen würde. Auch Bildung, Schichtzugehörigkeit und Geschlecht galten als relevant für die Altersmorbidität und Lebenserwartung. Bis ins frühe 22. Jahrhundert gelang es der Menschheit, allen Erdbewohnern gleiche und optimale Lebensbedingungen zu bieten, sodass letale Infektionskrankheiten auf dem Planeten schon bald als ausgerottet galten und die sozialen Faktoren gänzlich an Bedeutung verloren.
Dagegen gewannen Erbkrankheiten in den 2100ern aufgrund der äußerst strengen Gesetze zur Gentechnik auf der Erde des 22. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung und forderten bis in die 2160er mehrere Millionen Tote. Erst mit der Gründung der Föderation änderte sich die gesetzliche Lage, da sich das strenge Verbot der humangenetischen Medizin aufgrund der pathogenetischen Signifikanz des menschlichen Genoms nicht länger vertreten ließ und sich die irdischen Politiker gegenüber der übrigen Mitglieder des neugegründeten Völkerbundes nicht völlig durchsetzen konnten, sodass medizingenetische Forschungen und Therapien wieder unter der Auflage erlaubt wurden, ausschließlich der Lebenserhaltung und nicht der genetischen Augmentation zu dienen. Eine Entscheidung, die sich schon bald als Segen für die Menschheit herausstellte, da hunderte letaler Erbkrankheiten wie das Clarke-Syndrom bis zum Ende des Jahrhunderts geheilt werden konnten.

Histologische und genetische Faktoren

Aus histologischer Sicht kann man den Alterungsprozess im fortschreitenden Lebensalter als Verlust der Proliferations- und Regenerationsfähigkeit des Körpergewebes, Akkumulation von endogenen Schadstoffen im Organismus und die Summierung schädlicher Zellprozesse definieren. Vereinfacht ausgedrückt wird das Körpergewebe mit fortschreitendem Alter zunehmend durch natürliche Prozesse innerhalb der Zellen geschädigt, während es zugleich seine Regenerationsfähigkeit verliertn.
Ein entscheidender genetischer Faktor, der die Proliferationsfähigkeit von tierischen Zellen begrenzt und maßgeblich mit der unterschiedlichen Lebenserwartungen verschiedener irdischer Tierspezies korreliert, sind die sog. Telomere. Denn die Replikationsfähigkeit der DNA wird u.a. dadurch begrenzt, dass bei jedem Replikationsvorgang ein kleines Endstück der DNA verloren geht, was schnell zur Löschung ganzer Gene führen kann. Sogenannte Telomere verlängern die Enden der DNA in Form von nichtkodierenden Abschnitten, die ohne negative Konsequenzen abgebaut werden können und somit neben verschiedenster Reparaturprozesse dafür verantwortlich sind, dass sich eine Zelle teilen kann, ohne dass ihr Genom dabei Schaden nimmt. Die Telomere des menschlichen Genoms sind lang genug, um bis zu 60 DNA-Replikationen zu ermöglichen. Sind die Telomere abgebaut, wird die Körperzelle inaktiv und stirbt ab, um eine Weitergabe von geschädigter DNA an ihre Tochterzellen zu verhindern. Die Länge der Telomere korreliert dabei nicht nur mit der Lebenserwartung, sondern auch mit der Alterung an sich, da pathologisch verkürzte Telomere und andere Fehler bei der Replikationsfähigkeit des Zellgenoms für beschleunigte Alterungsprozesse im Rahmen verschiedener progerischer Erbkrankheiten verantwortlich gemacht werden konnten.
Auch die nahezu unbegrenzte Wachstumsfähigkeit von Tumorgewebe ist u.a. auf eine übermäßige Telomeraseaktivität zurückzuführen, ein Enzym, das für die Regeneration der Telomere verantwortlich ist. Zudem wirkt sich das Alter des Vaters eines Kindes über die Telomerlänge seiner Spermienzellen auf die Lebenserwartung des Kindes aus, da sie länger werden, je älter der Vater ist. Entsprechende Untersuchungen zeigten bereits im 21. Jahrhundert, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Kindern tendenziell steigt, je älter ihre Väter sind.
An dieser Stelle findet sich also ein entscheidender medizinischer Interventionspunkt zur Verlängerung der menschlichen Lebenserwartung mit einhergehender Kompression der Altersmorbidität, da durch eine (natürliche) Verlängerung der Telomere im embryonalen Stadium und spätere Regeneration der Telomere durch eine kontrollierte Stimulation der Telomeraseaktivität die Teilungsfähigkeit der Zellen quantitativ verbessert und somit der Alterungsprozess qualitativ verlangsamt werden kann.
Ein weiterer entscheidender Faktor im Alterungsprozess ist die Akkumulation von endogenen Schadstoffen (beispielsweise radikaler Sauerstoffspezies (ROS)) sowie alterstypischer pathologischer Proteinablagerungen, die im Verlauf einer Lebensspanne für immer mehr Schäden an den Körperzellen und ihrer DNA sorgen. Die Minimierung dieser Schäden im hohen Alter durch die Reduzierung der schädlichen Faktoren und die Regeneration des bereits geschädigten Gewebes sind essentiell dafür, chronisch-degenerativen Erkrankungen vorzubeugen und sie zu bekämpfen. Insbesondere die im späten 23./frühen 24. Jahrhundert entwickelten Gewebsregenerationstechniken haben entscheidend dazu beigetragen, die sich im hohen Alter summierenden Gewebsschäden regenerieren zu können. Zudem bietet die Fähigkeit zur Züchtung neuer Gewebe und Organe die Möglichkeit, bei Bedarf altergeschädigte Organe zu ersetzen.

Lebenserwartung im 24. Jahrhundert

Aufgrund der Tatsache, dass die ausschlaggebenden Faktoren des Alterungsprozesses im späten 24. Jahrhundert bekannt sind und sich zahlreiche Interventionsmöglichkeiten bieten, um nicht nur die durchschnittliche Lebenserwartung signifikant zu erhöhen, sondern auch eine massive Kompression der Altersmorbidität zu ermöglichen, ist die menschliche Lebenserwartung und die behinderungsfreie Lebenszeit seit dem frühen 21. Jahrhundert durch eine Verlangsamung des Alterungsprozesses und die zahlreichen regenerativmedizinischen Möglichkeiten der modernen Medizin drastisch gestiegen.
Während die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen im frühen 21. Jahrhundert zwischen 75 und 82 Jahren lag und vereinzelte Fälle dokumentiert wurden, in denen Menschen bis zu 130 Jahre alt wurden [der älteste bekannte Mensch starb 2008 im Alter von 129 Jahren], hat sich dieses Bild im Verlauf der Jahrhunderte drastisch gewandelt. Menschen, die Anfang des 23. Jahrhunderts geboren wurden, hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 133 Jahren [Dr. Mccoy wurde 2227 geboren und war 2364 mit 137 Jahren noch recht fit, semicanon war er das auch noch im Jahr 2379]. Im 24. Jahrhundert hängt die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen stark vom Maß der medizinischen Betreuung über die gesamte Lebensspanne hinweg ab, da es jedem Menschen frei steht zu entscheiden, inwieweit er sein Leben mittels der modernen Medizin verlängern möchte. Menschen, die Mitte des 24. Jahrhunderts geboren wurden, können bei medizinischer Standardversorgung mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 164 Jahren rechnen, entscheiden sie sich dagegen, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 100 Jahren, wobei sie den Großteil ihres Lebens sehr wahrscheinlich behinderungsfrei verbringen können.
Mittlerweile gehen Ärzte und Wissenschaftler der Föderation davon aus, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen in diesem Bereich einpendeln wird, da die Möglichkeiten der Medizin bereits heute soweit ausgeschöpft sind, dass eine weitere Verlängerung der Lebenserwartung nur mittels weitreichenderen genetischen Manipulationen möglich ist, die allerdings aus heutiger medizinethischer und rechtlicher Sicht nicht vertretbar sind.

Bedeutung für die Charaktere im RS

Um Verwirrungen vorzubeugen, wie sich die längere Lebenserwartung auf die Charaktere auswirkt und auch die Frage zu beantworten, ob sie zwingend für alle ist, folgt nun eine Erklärung dazu.

Zunächst einmal sei gesagt, dass jeder die Wahl hat zu entscheiden, inwiefern sein Charakter von den medizinischen Möglichkeiten im 24. Jahrhundert Gebrauch macht. D.h. es kann Menschen geben, die sagen, dass sie dieses längere Leben gar nicht wollen und daher schon mit 90 Jahren eines natürlichen Todes sterben. Ein Beispiel aus der Serie dazu wäre der Vater von Captain Sisko, der nie zum Arzt gegangen ist, an Arteriosklerose litt und deswegen fast an einem Schlaganfall gestorben wäre (eine in seinem Alter derart fortgeschrittene Arteriosklerose wäre im 24. Jahrhundert sonst ausgeschlossen). Bei diesen Menschen kann man das Altern wie bei heutigen Menschen spielen, nur dass ihnen schwere Alterskrankheiten erspart bleiben.

Auf der anderen Seite wird es aber auch Menschen geben, die sagen, dass sie lange leben wollen und diese Lebenszeit auch richtig ausnutzen möchten. Diese Menschen werden sich bis zum Erwachsenenalter ganz normal entwickeln und erst dann kommt der Effekt des "verlangsamten Alterns" zum Tragen, denn die körperliche Entwicklung zum Erwachsenen hin und der spätere körperliche Abbau (= das spätere Altern) sind biologisch gesehen zwei verschiedene Dinge. Doch was bedeutet nun "verlangsamt altern"? Heißt das, dass man erst mit 40 erwachsen ist? Die Antwort lautet nein, man sollte wohl eher davon sprechen, "später abzubauen" als "verlangsamt zu altern". Sprich der körperliche Abbau wird erst deutlich später spürbar und man altert ab Ende 20/Anfang 30 eine lange Zeit kaum noch (sofern man das halt möchte), bis es im hohen Alter dann losgeht und man auch sichtbar zu altern beginnt. Wem es schwer fällt, sich das vorzustellen, der kann sich einfach an den Vulkaniern orientieren: Diese haben ja eine durchschnittliche Lebenserwartung von 200 Jahren, werden aber genauso schnell erwachsen wie Menschen und danach "verlangsamt" sich das Ganze, sie bleiben bis z.B. 160 fit bzw. sehen jung bis mittelalt aus und werden erst dann langsam sichtbar "alt". Genauso wird das bei Menschen funktionieren, nur dass unsere durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 160 Jahren liegt und nicht bei 200. Und es wird natürlich für Menschen, die auch im hohen Alter unbedingt so jung wie möglich aussehen wollen, zusätzliche kosmetische Behandlungen geben, z.B. Dermalregeneration zur Hautstraffung etc. (genauso wie heute, nur dass es viel besser funktioniert und aussieht).

Also bitte daran denken: Jeder darf selbst entscheiden, was er für seinen Charakter will. Es werden nur Möglichkeiten geboten, es wird keiner dazu gezwungen, seinen Charakter mit 80 sterben zu lassen oder 160 Jahre alt zu werden. An sich richtet es sich einfach an zwei Zielgruppen: Die Einen, die das "würdige Altwerden" ihrer Charaktere ausspielen wollen, und die Anderen, die sagen, dass sie ihre bereits älteren Charaktere auch in ferner Zukunft noch als körperlich junge Menschen spielen möchten.